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Symptome | Kolikarten | Maßnahmen des Besitzers & Tips

 

Als Kolik bei Pferden werden sämtliche schmerzhaften Prozesse der Bauch- und Beckenhöhle bezeichnet. Die Ursachen einer Kolik können sehr vielfältig sein (siehe auch weiter unten) und können nur vom Tierarzt mittels genauer Untersuchung, dazu gehört in jedem Fall die rektale Exploration der Bauchhöhle (Eingehen mit der Hand ins Rektum des Pferdes), diagnostiziert werden.

Kolik bei Pferden - Schnell handeln !

Auch wenn man nicht sicher ist, ob eine Kolik vorliegt, sollte der Tierarzt miteinbezogen werden. Wird eine Kolik nicht behandelt, besteht die Gefahr, dass es innerhalb von nur kurzer Zeit zu einem Darmverschluss und möglicherweise daraus folgend zum Tod des betroffenen Pferdes kommt.

 

SYMPTOME:

Die sichtbaren Symptome sind äußerst vielfältig. Sie unterscheiden sich je nach Kolikursache, Stadium und individuellem Empfinden des Pferdes. Das Pferd ist unruhig, scharrt, flehmt und wendet den Kopf nach hinten oder schlägt sich unter den Bauch. Es legt sich immer wieder hin, versucht eventuell sich zu wälzen. Bei stärkeren Schmerzen ist die Unruhe verstärkt, das Pferd bleibt teilweise einige Zeit auf dem Rücken liegen. Die Augen sind aufgerissen, der Atem stoßweise. Es kann zu Schweißausbrüchen kommen, die Mundschleimhaut ist manchmal trocken. Wenn es zu einem Kreislaufversagen kommt, dann bricht kalter Schweiß aus und die Hautoberfläche wird kühl. Generell verweigern Pferde mit Kolik die Aufnahme von Futter und Wasser. Häufig ist auch die Muskulatur um den Bauchraum verkrampft und zieht sich nach oben.

Nicht jedes Pferd reagiert gleich !

Schon einzelne der oben genannten Verhaltensmuster können auf eine Kolik hindeuten. Hier ist in besonderer Weise die Aufmerksamkeit des Pferdehalters für eine Früherkennung wichtig.

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Die wichtigsten KOLIK-arten:

Krampfkolik: Häufigste Form der Kolik. Wetterumschwünge, Stress, Überanstrengung sowie das Trinken von großen Mengen kalten Wassers können diese Koliken auslösen. Die Symptome bei einer Krampfkolik sind anfallartig und heftig. In der Umgangssprache als Wetterkolik bezeichnet.

Gaskolik: Wegen Aufgasungen im Darm (meistens im Dickdarm) kommt es zu Schmerzen durch Überdehnung des Darms, in extremen Fällen kann die Aufgasung auch zu einem Riss im Darm führen. Die Ursachen für die Gaskolik sind meist Fütterungsfehler wie z.B. Rasenmähergras, frisches Brot und Gemüse, Klee, Luzerne.

Verstopfungskolik und Dickdarmanschoppung: Ebenfalls eine häufige Form der Kolik ist die Verstopfungskolik. Dabei kommt es zu einer Verstopfung bzw. einem oft vollständigem Verschluss des Dickdarms. Meist betroffen ist der aufsteigende Dickdarm (großes Colon), der durch Kotanschoppung bis zu 25 cm dick werden kann. Seltener verstopft ist das kleine Colon = der absteigende Dickdarmteil. Die Symptome für die Dickdarmanschoppung sind schleichend und wenig heftig. Das Pferd frisst schlecht und wirkt träge. Es zeigt Kreislaufschwäche und liegt deshalb sehr gerne in Seitenlage. Da es bei einer solchen Dickdarmanschoppung zu einem vermehrten Druck auf die Harnblase kommt nehmen die Pferde oft eine Stellung wie zum Strahlen ein. (Verwechslung mit Strahlkolik).

Dünndarmverdrehung: Diese Form ist besonders dramatisch. Sie setzt oft plötzlich ein, entwickelt heftige Schmerzen, die durch spontanes Hinwerfen und Wälzen sowie durch im Kreisgehen mit gekrümmtem Rücken gekennzeichnet sind. Der Gesamtzustand des Pferdes verschlechtert sich sehr rasch. Häufig bei Fohlen anzutreffen.

Magenüberladung: Ursache ist meist zu hastiges Fressen, zu große Kraftfutterrationen oder die Verfütterung von stark quellenden Futtermitteln, die nicht ausreichend eingeweicht wurden. Die Magenwand wird dabei stark überdehnt, was heftige Schmerzen verursacht. Das Pferd leidet unter starken Schmerzen, die es durch Unruhe, wiederholtes Zu-Boden-Werfen und Schweißausbrüche zeigt. Eine rasche tierärztliche Behandlung ist notwendig (ein Magenriss endet tödlich). Da Pferde nicht brechen können, muss der Mageninhalt durch eine Sonde entleert werden.

Strahlkolik = Überfüllung der Blase: Durch den immer wiederkehrenden Kolikschmerz kann sich das Pferd nicht so entspannen, wie es für den Strahlvorgang nötig wäre. Dauert die Kolik länger an, kann es zu einer Überfüllung der Blase kommen.

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TIP: Bei Anzeichen einer Kolik sofort den Tierarzt verständigen. Die Körpertemperatur (Normaltemperatur 37,5 +/-) des Pferdes sowie Puls- und Atemfrequenz (Puls 36 +/- Schläge pro Minute, Atmung 18 +/- Atemzüge in der Minute) messen und diese Werte dem Tierarzt bereits am Telefon mitteilen, da er sich dadurch schon ein ungefähres Bild machen kann. [ siehe auch Verhalten im Notfall ]

 

Bis der Tierarzt kommt, sollten folgende Maßnahmen getroffen werden:

  • Bis zum Eintreffen des Tierarztes sollte das Pferd im Schritt geführt werden.
  • Futterentzug
  • Frisches Wasser in einem Kübel anbieten
  • Pferd eventuell eindecken - Wärme entspannt und wirkt entkrampfend.
  • Ein Niederlegen des Pferdes sollte bei leichten Koliken zu Gunsten der weiteren Bewegung vermieden werden, bei schweren Koliken und dem daraus resultierenden drohenden Zusammenbruch des Kreislaufes ist es jedoch eher ratsam dem Pferd das Ablegen zu ermöglichen um eine weitere Belastung des Kreislaufes zu verhindern.
  • Durch Wälzen lassen des Pferdes kann in bestimmten Fällen versucht werden, eine Verschlingung oder Verlagerung des Darms rückgängig zu machen, da sich der Darm durch seine Aufhängung im Bauchraum eher zurückdreht, als sich noch weiter zu verschlingen.
  • In manchen Fällen reicht die konservative (also nicht-chirurgische Versorgung) nicht aus und es muss in einer Kolikoperation am offenen Bauch der Darm kontrolliert und wieder gängig gemacht werden. Sollte es schon zum Absterben eines Darmabschnitts gekommen sein, muss dieser Teil entfernt werden.

Außer homöopathischen Mitteln , Bachblüten und eventuell Kreislauftropfen dürfen keinerlei andere Medikamente verabreicht werden. „Wundermittel“ oder „alte Hausmittel“ sind absolut fehl am Platz !

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AP Pferdepraxis - Andy PETRIC